Schloss Oberbrunn
Impressionen

Chronik ab 1530

 

Am 11. März 1531 bestätigte Herzog Wilhelm IV. von Bayern (1508 bis 1550) die vom Hanns Pienzenauer auf den Hanns Sunthaimer gewechselte Vogtei zu Oberbrunn. Am 27. April 1531 wurde Hanns Sunthaimer zum freien Landsassen ernannt. Er erhielt sämtliche Güter in Oberbrunn. Dafür mußte er »in Kriegsläuften« mit einem gerüsteten Pferd dem Herzog Gefolgschaft leisten.

 

Schloss Oberbrunn bildete von nun an eine geschlossene weltliche Hofmark. Der Besitzer verfügte über die niedere Gerichtsbarkeit und konnte über seine Untertanen Gericht halten – ausgenommen waren nur die schweren Vergehen des Diebstahls, der Notzucht und der Tötung. Die Gefängniszellen lagen im Keller des Schlosses, wo sich auch die Sakristei für die Schlosskapelle befand.

 

Sunthaimers Eltern waren Erhart Sunthaimer, (gestorben nach 1485) und Margarethe von Truchtlaching zu Poing (gestorben nach 1485), die wahrscheinlich 1466 geheiratet hatten. Die Sunthaimer waren ein altes Rittergeschlecht aus dem Schwäbischen.

 

Hanns Sunthaimer war Pfleger des herzoglichen Amtes Brannenburg, Markt- und Landrichter von Rosenheim, Richter in der Klosterhofmark Seeon und Umgelder in Obing, fürstlicher Rat und Rentmeister in Burghausen, sowie Landschreiber und Pfleger im Pfleggericht Trostberg. Er starb 1541 und wurde in der Barbarakapelle im Kloster Seeon beerdigt.

 

Sein Sohn, Hanns II verkaufte 1570 die Hofmark Oberbrunn an Hanns Egidius Sonderndorffer zu Polling. Hanns II. Sunthaimer, war etwa von 1542 bis 1572 Umgelder in Obing, er starb 1577. Hanns Egidi Sonderndorffer war Pfleger zu Polling und Fürstlicher Rat zu Burghausen, verheiratet mit Elspeth Hohenkircher von Iffldorf und in zweiter Ehe mit Euphrosina Wanninger zu Obing.

 

Die Sonderndorffer saßen im 14. Jahrhundert auf dem Sitz Anzing (Landkreis Ebersberg). Im Landshuter Erbfolgekrieg 1503/05 diente Hanns Sonderndorffer dem Herzog Albrecht IV. von München unter anderem als Futtermeister. Dafür erhielt er 1507 das Schloss Ybm im Innviertel. 1530 erwarb Hanns Sonderndorffer den Sitz Polling im Innviertel. Er verstarb 1606 als letzter seines Geschlechts.

 

1607 wird Oberbrunn als geschlossene Hofmark mit Schloss und Dorf beschrieben. Niederbrunn gehörte niedergerichtlich zur Hofmark Oberbrunn, grundherrschaftlich aber zum Kloster Seeon .

 

Auf dem Erbwege gelangte Oberbrunn in den Besitz der Armannsperger. Oberbrunn war von 1607 bis 1753 in ihrem Besitz. 1719 wurde das Geschlecht in den Freiherrenstand erhoben und 1790 in den Reichsgrafenstand.

 

1639 wurde die Hofmark »Prunn« beschrieben: »Die ist von alter hero ain gefreithe Hofmarch alda Hannß Wilhelm von Armansperg wohnt welcher sonnsten auch ainschichtige Edlmannsgüettern im Gericht hat, denen man alda alß ainem Landsessen der nider Gerichtbarkhait dabey bestendtig.

 

Seit 1737 besaß Witwe Maria Sophia Adelheid Freifrau von Armannsperg zu Schönberg, Kay, Frabertsham und Oberbrunn, eine geborene Freiin von Schrenckh auf Notzing, als Witwe und Vormünderin die Hofmark und die genannten Edelsitze. 1748 erbte Franz Xaver Joseph Ignaz Freiherr von Armannsperg Oberbrunn und Frabertsham.

 

1752 erwarb Joseph Ignaz Krez aus München, kurfürstlicher Hofkammerrat und Hofzahlmeister, die Hofmark Oberbrunn und den Sitz Frabertsham. Die Edelmannsfreiheit verlieh ihm Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745 bis 1777) 1753. Krez kümmerte sich zunächst sehr um seinen neuen Besitz und ließ die Hofmark Oberbrunn mit vielen topographischen Details kartographisch darstellen. Bereits nach acht Jahren verkaufte er Oberbrunn und Frabertsham.

 

Franz Seraph Basselet de La Rosè, erwarb Oberbrunn und Frabertsham 1760. Er war Obrist und »Inhaber eines Regiments zu Fuß«. Die Familie stammte ursprünglich aus Spanien und kam über die Niederlande nach Bayern.

 

1851 erwarb Hauptmann Karl Max von Belli di Pino aus München den Besitz Oberbrunn, dem Karl von Belli di Pino und Alfons von Belli di Pino folgten. Letzterer sperrte die Schlosskapelle zu und ließ sie verkommen. Nach dessen Tod 1891 wurde der größte Teil der Waldungen an die Müllerin von Roitham verkauft, die sie ziemlich abholzen ließ.

 

Das Schloss erhielt der Kunstmaler Steinheil aus München 1891 für 56000 Mark. Nach gründlicher Renovierung verkaufte er es acht Jahre später an Theodor Freiherr von Cramer-Klett auf Hohenaschau für 72000 Mark. Cramer-Klett überließ ab 1905 die Räume der Mädchenerziehungsanstalt Schloss Oberbrunn, die hier eine Schule errichtete, die nach einigen Verhandlungen auch die Kinder von Oberbrunn als Volksschule besuchen durften. Nach Verkauf des Schlosses 1919 an Werlin-Illig aus München wurde die Anstalt nach Grabenstätt verlegt. Die Brunner Kinder mussten wieder in die Volksschule in Pittenhart gehen.

 

Das Schloss erwarb drei Jahre später der Großkaufmann Paul Naber aus Rheydt im Rheinland. 1936 veräußerte seine Witwe das Schloss an den Konsul Merkle aus Nürnberg. Auch er behielt es nur einige Jahre und verpachtete die Räume an die „Arbeiterwohlfahrt“, die es 1954 auch käuflich erwarb. Die zugehörigen Moorflächen wurden parzelliert vergeben, die Landwirtschaft erwarb Familie Streit. Im Zweiten Weltkrieg hatte das Obergeschoss bereits als Herberge für Evakuierte gedient; jetzt konnten sich Berliner Kinder hier erholen.

 

Die Arbeiterwohlfahrt baute das Schloss bei Erhaltung der Außenfassade innen um und fügte 1967/68 einen Neubau an, zur Unterbringung der Erholungssuchenden. Immerhin 30 Jahre konnte sich der Betrieb halten. 1985 erwarb die Karl Rubenberger KG, Erding das Schloss Oberbrunn.